Über 1.000 Schlösser und Herrensitze, stille Naturschönheiten, weitläufige Tuffsteinhöhlen
und einer der berühmtesten Wandteppich des Mittelalters zeichnen das Anjou im Loiretal
aus.
Weltkulturerbe und Naturschutzpark
Das Loiretal überrascht durch den Gegensatz von urbaner Bausubstanz und intakter
Natur. Aber gerade dieser Kontrast macht die Wahlheimat der Könige Frankreichs und
der selten gewordenen Flussseeschwalben so reizvoll: Und daher werden die Baudenkmäler
hier ebenso geschützt, wie die Natur. Seit dem Jahr 2000 gehören die 260 Flusskilometer
zwischen dem südöstlich von Orléans gelegenen Sully-sur-Loire und dem alten Hafenstädtchen
Chalonnes-sur-Loire, im Südwesten von Angers, zum Weltkulturerbe der Unesco. Ein
Gutteil davon gehört aber auch zum regionalen Naturschutzpark "Loire Anjou Touraine".
Geheimnisvolle Höhlenwelt
Wenn anderswo die Sehenswürdigkeiten über der Erde anzutreffen sind, so muss man
im Anjou auch in die Tiefen steigen, um die Höhlenwelt im Tuffstein zu entdecken
– an die 2.0000 Kilometer Stollen zwischen Saumur und Doué-la-Fontaine (größtes
Höhlengebiet Europas), in denen Wein lagert, Champignons gezüchtet werden und Menschen
wohnen. Interessant sind dabei besonders die Höhlenwohnungen in der Ebene rund um
Doué-la-Fontaine, die unter Wiesen und Feldern angelegt wurden und über der Erde
an ihren Luftschächten auszumachen sind. Diese Höhlen sind in Europa einmalig, denn
anderswo sind Höhlen vorwiegend in steile Flussufer gebaut.
Baukunst im Anjou
Der Landstrich ist mit historischen Bauten reich bestückt und zählt über 1.000 Schlösser
und Herrensitze. Das bekannteste Schloss des Anjou steht sicherlich in
Saumur.
Heute noch scheint es direkt aus dem Mittelalter auferstanden zu sein, und steht
wie eh und je – halb Festung, halb höfischer Palast – mit seinen Bleistifttürmen
hoch über der Loire.
Das
Schloss von Montsoreau wurde hingegen als einziges Loireschloss
direkt am Flussufer errichtet, hatte beachtliche Kaianlagen und war Mautstelle für
die Schiffer der Loire. Alexandre Dumas hat hier seinen Roman die "Dame von Montsoreau"
spielen lassen und dem Schloss damit zu literarischer Berühmtheit verholfen. Ebenfalls
berühmt ist die
Schlossanlage von Angers. Sie gehört mit ihren
17 Türmen und einer Burgmauer von einem Kilometer Länge zu den imposantesten in
Europa und war Sitz der mächtigen Herren des Anjou. Heute pilgern Tausende von Touristen
zum Schloss, um den berühmten "Wandteppich der Apokalypse" zu bewundern.
Jahrhunderte lang war die Region Tummelplatz für baulustige Adlige, die alle das
sanfte Klima des Anjou genießen wollten. Daher findet man in einem Radius von nur
25 Kilometern rund um Angers vier große Schlossanlagen aus vier verschiedenen Bauepochen,
die alle noch bewohnt sind.
Im Norden liegt das
Wasserschloss Plessis-Bourré, das vom Schatzmeister
Ludwig XI., Jean Bourré, in der Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Mit
seiner doppelten Ziehbrücke und den soliden Burgtürmen ist es intaktes Beispiel
mittelalterlicher Baukunst.
Auch Schloss
Brissac, mit sieben Etagen das höchste Loireschloss
überhaupt, hat noch mittelalterliche Fundamente, wurde aber bis zum 17. Jahrhundert
immer wieder verändert. Seit 500 Jahren im Besitz der mächtigen Familie Cossé-Brissac,
hat das Schloss heute seine Tore für zahlende Gäste geöffnet, die davon träumen,
einmal im Himmelbett eines französischen Herzogs aufzuwachen.
Ganz anders das westlich von Angers gelegene
Schloss Serrant, das
von mehreren Besitzern in rund 150 Jahren erbaut wurde. Dennoch ist der plastische
Schlossbau – dunkler Granit wurde mit weißem Tuffstein abgesetzt – einheitliches
Beispiel für den Baustil der ausgehenden Renaissance. Zugleich ist Serrant eines
der am reichsten möblierten Schlösser des gesamten Loiretales und kann mit einer
Bibliothek von 12.000 Bänden aufwarten.
Auch auf
Schloss Montgeoffroy, das kurz vor der Französischen Revolution
errichtet wurde, scheint sich seit gut 200 Jahren nichts verändert zu haben: ein
prächtiger Speisesaal, eine beneidenswerte Sammlung von Kupfertöpfen in der Schlossküche
und eine Sattelkammer mit einmaligen Schätzen.
Quelle: Maison de la France